Make und Zapier sind die zwei bekanntesten No-Code-Automatisierungsplattformen. Beide versprechen: Workflows bauen ohne Code, Apps verbinden, Routinearbeit eliminieren. Trotzdem sind es grundverschiedene Werkzeuge, und die Wahl wirkt sich auf Jahre aus. Dieser Vergleich zeigt nicht abstrakte Feature-Listen, sondern welches Tool bei welcher Art von Workflow tatsächlich besser funktioniert.
Zapier ist 2011 als Trigger-Action-Plattform gestartet. Die Grundidee war und ist: Wenn X passiert, dann tue Y. Ein neuer Lead im Webformular? Ab in HubSpot. Neue Bestellung? Benachrichtigung nach Slack. Die Stärke liegt in der Einfachheit: Ein Zap hat einen Trigger und eine Kette von Actions, jeder Schritt verarbeitet Daten linear weiter. 8.000+ App-Integrationen machen den Einstieg fast mühelos.
Make (bis 2022 noch als Integromat bekannt) verfolgt einen visuellen Ansatz. Workflows heißen hier Scenarios und werden auf einem Canvas gebaut. Jedes Modul ist ein Knoten, Verbindungen zeigen den Datenfluss. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ändert aber die Art zu denken. Sobald Daten verzweigt, gefiltert, aggregiert oder parallel verarbeitet werden müssen, zeigt der Canvas seinen Wert: Man sieht den kompletten Datenfluss auf einen Blick.
Die Unterschiede beginnen nicht bei den Features, sondern bei der Denkweise. Zapier denkt in linearen Ketten. Make denkt in Datenflüssen.
Für den klassischen Anwendungsfall „App A mit App B verbinden" ist Zapier oft die schnellere Lösung. Ein neuer Kontakt im CRM soll in eine Mailingliste, eine neue Datei in Google Drive soll nach Slack gepostet werden, ein Kalender-Event soll eine Erinnerung auslösen. Dafür braucht man keinen visuellen Canvas, keine Router, keine Iteratoren.
Zapier hat hier drei handfeste Vorteile. Erstens: die App-Bibliothek. Mit über 8.000 nativen Integrationen findet man fast jedes SaaS-Tool, auch Nischen-Software für Webinare, Kursplattformen oder branchenspezifische CRMs. Make kommt auf rund 2.000 Integrationen. Für Standard-Marketing- und Sales-Stacks reicht das, bei Spezial-Tools geht der Weg manchmal nur über Zapier.
Zweitens: die Einrichtungszeit. Ein einfacher Zap steht in fünf Minuten. Man wählt Trigger, wählt Action, verknüpft die Accounts, fertig. Make braucht für denselben Use-Case nicht viel länger, aber die Oberfläche ist mächtiger und damit auch komplexer für Einsteiger.
Drittens: Templates. Zapier hat für nahezu jede Zwei-App-Kombination vorgefertigte Templates. Klicken, Accounts verbinden, aktivieren. Für Teams, die schnell live sein wollen und keinen technischen Hintergrund mitbringen, ist das ein echtes Argument.

Sobald Workflows über lineare Ketten hinausgehen, dreht sich das Bild. Make wurde für genau diese Szenarien gebaut.
Router verteilen Daten in parallele Pfade: Eine eingehende Bestellung wird gleichzeitig ans ERP, an die Buchhaltung und an das Lagerverwaltungssystem weitergeleitet, mit unterschiedlichen Datenformaten pro Ziel. In Zapier braucht man dafür drei separate Zaps mit jeweils eigenen Triggern und eigenem Task-Verbrauch.
Iteratoren und Aggregatoren verarbeiten Arrays. Eine API liefert 50 Bestellpositionen als Liste? Make iteriert darüber, transformiert jede Position, und aggregiert die Ergebnisse wieder in ein strukturiertes Paket. Zapier kann Arrays nur begrenzt verarbeiten und zählt jede Iteration als separate Task.
JSON- und XML-Transformationen sind in Make native Module. Datenstrukturen umformen, Felder mappen, verschachtelte Objekte flach machen, das funktioniert ohne Code direkt im Canvas. Zapier bietet ähnliches über „Formatter by Zapier", aber weniger flexibel und bei komplexen Strukturen schnell unübersichtlich.
Error-Handling ist in Make besonders durchdacht. Fehlerrouten fangen Probleme pro Modul ab, leiten fehlerhafte Datensätze in einen separaten Pfad und verarbeiten den Rest weiter. Zapier stoppt bei einem Fehler den gesamten Zap oder überspringt den Schritt. Für produktive Workflows im Mittelstand, wo ein einzelner Fehler nicht den ganzen Prozess blockieren darf, ist das ein echtes Argument.
Für Unternehmen im Großhandel, die beispielsweise Bestelleingänge aus verschiedenen Kanälen konsolidieren, Artikeldaten transformieren und an unterschiedliche Systeme verteilen, ist Make das natürlichere Werkzeug. Konkrete Beispiele dafür finden sich im Beitrag Workflow-Automatisierung im Großhandel.
Beide Tools bieten HTTP-Module für Custom-API-Calls. Bei Make heißt das Modul „HTTP", bei Zapier „Webhooks by Zapier". In der Praxis funktioniert beides: REST-APIs anbinden, Custom-Header setzen, JSON-Bodies bauen.
Make hat bei API-Arbeit den Vorteil der visuellen Darstellung. Man sieht den Request, die Response, die nachfolgende Verarbeitung. Debugging funktioniert visuell: Jeder Knoten zeigt Input und Output, man klickt sich durch die Daten. Zapier zeigt Logs pro Schritt, aber der Überblick über den gesamten Datenfluss fehlt.
Bei Webhooks sind beide Tools solide. Make kann incoming Webhooks empfangen und sofort weiterverarbeiten. Zapier kann das auch, zählt aber jede Webhook-Ausführung als Task. Bei hohem Volumen wird das teuer.
Es gibt allerdings eine Grenze, die beide Tools teilen: Sobald Workflows Custom-Code, Self-Hosting, Git-Versionierung oder KI-Agenten mit Memory brauchen, stoßen Make und Zapier gleichermaßen an ihre Grenzen. Beide sind Cloud-only, beide bieten begrenzte Code-Möglichkeiten. Wer in diese Liga aufsteigt, sollte sich n8n anschauen, das als Open-Source-Alternative genau diese Lücke füllt.

Das Preismodell ist der Punkt, an dem die Entscheidung für viele KMUs am Ende steht. Beide Tools sind im Einstieg günstig, aber die Kostenkurven verlaufen unterschiedlich.
Zapier rechnet pro Task. Ein Task ist jeder erfolgreich ausgeführte Schritt in einem Zap. Ein Workflow mit fünf Schritten, der 100 Mal pro Tag läuft, verbraucht 500 Tasks am Tag, 15.000 im Monat. Der Professional-Plan mit 2.000 Tasks kostet rund 49 Euro. Für 15.000 Tasks braucht man den Team-Plan für deutlich über 100 Euro monatlich.
Make rechnet pro Operation. Eine Operation ist ebenfalls ein ausgeführtes Modul, ähnlich wie ein Task. Ein Scenario mit fünf Modulen und 100 Durchläufen verbraucht 500 Operationen am Tag. Der Core-Plan mit 10.000 Operationen kostet rund 10 Euro monatlich. Für 15.000 Operationen im Monat reicht immer noch der Core-Plan.
Im kleinen Maßstab sind die Unterschiede gering. Sobald mehrere Workflows parallel laufen oder einzelne Workflows komplex werden, wird Make deutlich günstiger. Make bietet außerdem die Möglichkeit, Operationen rollover zu lassen, das heißt ungenutzte Operationen verfallen nicht sofort. Wer die Zapier-Kosten im Detail durchrechnen will, findet dort eine vollständige Aufschlüsselung.
Wichtig zu wissen: Bei Make zählen auch Router, Filter und Error-Handler als Operationen. In einem visuellen Scenario mit vielen Verzweigungen addiert sich das. Trotzdem ist Make in den meisten Szenarien günstiger, weil der Basispreis pro Operation niedriger ist und die Pakete großzügiger geschnitten sind.
Make und Zapier sind beides Cloud-Plattformen. Das bedeutet: Alle Daten laufen durch Server des jeweiligen Anbieters. Make hostet in der EU, Zapier in den USA. Für DSGVO-sensible Workflows ist Make damit die deutlich bessere Wahl, aber echte Datenhoheit bietet keines der beiden Tools.
Wer Self-Hosting braucht, wer KI-Agenten mit Memory und Tool-Calls in Workflows integrieren will, wer Git-basierte Versionierung für Compliance benötigt oder wer Custom-Nodes in TypeScript entwickeln möchte, der braucht ein anderes Werkzeug. n8n ist die Open-Source-Alternative, die genau diese Anforderungen abdeckt. Als selbst gehosteter Docker-Container läuft n8n auf eigener Infrastruktur in Deutschland, mit voller Kontrolle über Daten, Code und Kosten. Die Details dazu finden sich im n8n-vs-Zapier-Vergleich und im Make-vs-n8n-Vergleich. Für eine vollständige Marktübersicht inklusive Workato und Power Automate eignet sich der Überblick der Zapier-Alternativen 2026.

Statt einer pauschalen Empfehlung: eine ehrliche Zuordnung nach Workflow-Typ.
Und der ehrlichste Ratschlag: Wer sich nicht sicher ist, sollte beide Tools mit dem kostenlosen Plan testen. Einen echten Workflow aus dem Tagesgeschäft in beiden Plattformen bauen, und dann entscheiden. Die Unterschiede werden in fünf Minuten spürbar.
Wer Unterstützung bei der Entscheidung braucht oder einen kompletten Automatisierungs-Stack aufbauen will, meldet sich bei uns. Wir helfen beim Vergleich und bei der Umsetzung.